Unter Dieben gibt es bei Douglas Hulick einen Ehrenkodex

Cover von Unter Dieben

Douglas Hulick: Unter Dieben (Heyne)

Dass Diebe und andere Gangster am Ende viel moralischer und ehrenhafter vorgehen als Gesetzeshüter und ehrenhafte Leute ist ein gern gewähltes Motiv in Literatur und Film. Auch Douglas Hulick bedient sich dieses Motivs in seinem Fantasy-Buch „Unter Dieben“. Kin ist in „Unter Dieben“ der Oberbegriff für die Angehörigen der Unterwelt, und diese Kin haben einige ungeschriebene Gesetze. Wer gegen sie verstößt wird ausgestoßen oder gar verfolgt und getötet. Auch gibt es unter den Kin der kaiserlichen Stadt Illdrecca eine klare Hierarchie, gegen die man sich besser nur erfolgreich auflehnt, sonst hat man die längste Zeit unter Dieben gelebt.

Drothe lebt gut unter Dieben

In diesem komlexen Geflecht gehört Drothe zum Mittelbau – erberichtet direkt an einen Bandenchef und darf nebenbei ein wenig Handel mit Schmuggelgut betreiben. Doch bei einem dieser Geschäfte stößt er auf Hinweise auf die dem Kaiser vorbehaltene Magie. Und plötzlich steckt er nicht nur mitten in einem Bandenkrieg, sondern auch in der Jagd nach einem Buch, an dem auch die obersten Kin Interesse haben – sowie selbst der Kaiser.

Es sind diese Intrigen, die wechselnden Koalitionen und die langsame Enthüllung über das Buch, das alle haben wollen, die Douglas Hulicks „Unter Dieben“ so spannend machen. Hulicks Drothe ist – wie bereits angedeutet – bei aller Skrupellosigkeit kein unehrenhafter Dieb und Spion: Er will seine Schwester schützen, die hübsche Nachbarin und ist Bronze Degan in tiefer Freundschaft verbunden. Weder strahlender Held noch zynischer Antiheld ist dieser Drothe ein Charakter, mit dem sich Leser verbunden fühlen können. Zumal die Handlung aus seiner Perspektive und von einem Ich-Erzähler geschildert wird. Hier wird die Beziehung zum Leser allerdings getrübt, denn um spektakuläre Überraschungen zu ermöglichen betrügt dieser Ich-Erzähler die Leser – er deckt längst nicht alle Karten auf. Oder um in der Sprache der Kin zu bleiben: Drothe ist eine Langnase.

Douglas Hulick liebt die Gaunersprache

Hulick liebt es, solche Begriffe wie Langnase oder Arme für Gauner mit einer bestimmten Funktion zu verwenden. Wie er im Nachwort schreibt, hat er sich unter anderem des Rotwelschen bedient. Doch da er die Begriffe zumeist erläutern muss, wird es unnötig kompliziert, müssen sich die Leser doch bereits mit den in Fantasy-Büchern üblichen vielen Charakteren vertraut machen sowie der Welt, die Hulick entworfen hat.

Das Magie-System erläutert er nicht genau, wodurch die Macht dieser Magie schwer einzuschätzen ist. Sie bleibt ein unberechenbarer Faktor zumal Drothe selbst nur leicht magisch begabt ist. In der Welt der Kin ist die Magie eher für Taschenspielertricks gut – die höhergestellten Diebe können sich jedoch auch sehr wirksame magische Waffen besorgen.

„Unter Dieben“ (der deutsche Titel ist dieses Mal eine Übersetzung, „Among Thieves) ist der erste Band von Erzählungen über die Kin. Hulick wird noch mindestens zwei Bücher über die Welt der Diebe, Schmuggler und Mörder schreiben. Dabei will er sich auch von Drothe entfernen – es geht ihm vor allem um die Kin und ihren Ehrenkodex. Für sein gelungenes Debüt ist er bei den David Gemmell Legend Awards in der Kategorie Morningstar nominiert worden.

„Unter Dieben“ von Douglas Hulick ist im Februar 2012 bei Heyne erschienen. Die deutsche Ausgabe geht über 576 Seiten und kostet 14,99 Euro.

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