Knapp vorbei ist auch total daneben

Eines sei vorausgeschickt: die Macher des DPP verdienen allen Respekt für ihr Engagement, ihren Willen und ihre Verdienste um die Phantastik.

Etwas weiteres sei hinterhergeschickt: HMP und den Machern von Fantasyguide gilt Respekt und Dank für ihren Einsatz.

Doch jetzt kommt das große Aber: Auch wer Gutes bewirken möchte, kann zu falschen Mitteln greifen. Oder um ein Bild aus dem Sport zu bemühen: Knapp vorbei ist auch total daneben.

Was ist passiert? Fantasyguide hat beim diesjährigen Deutschen Phantastik Preis (DPP) den Sieg als beste Internetseite davongetragen. Doch den Organisatoren dieses Preises wurde wenig gedankt, eher gab es Kritik am Ablauf der Abstimmung, aber auch am Verhalten der Fans. Nun hat HMP für Fantasyguide ein Interview mit Oliver Naujoks, einem der Macher des DDP, geführt. Zwar schickt er voran, dass Fantasyguide in diesem Jahr ausgezeichnet wurde, doch die Konsequenz daraus wird nicht gezogen – ein Preisträger darf niemals den Preisverleiher befragen. Das ist doch, als würde Herta Müller das Komitee in Stockholm zu den Regularien und der Auswahl der Nobelpreise befragen. Oder – wenn man einen Publikumspreis nimmt – als würde der Träger des Kelag-Publikumspreises plötzlich ein Gespräch mit den Organisatoren veröffentlichen.

Absolut undenkbar und so liest es sich dann auch. Nachdem Naujoks die Arbeit der Organisatoren vorstellt, darf er schnell alle Manipulationsvorwürfe gegen die Macher entkräften, leider wird aber nicht darauf eingegangen, inwieweit verhindert wird oder werden soll, dass Fans beim DPP mehrfach abstimmen. Naujoks zeigt sich mit dem Vorschlagsmodus 2009 zufrieden und darf sagen, dass seiner Meinung nach bei einem Jurypreis immer die gleichen Jury-Favoriten gewinnen. Natürlich gewinnen dann die Jury-Favoriten und nicht unbedingt die des Publikums, doch darf man von einer Jury mindestens erwarten, dass sie alle zur Endabstimmung vorliegenden Bücher gelesen hat. Fans können bei einem Publikumspreis auch über Titel abstimmen, die sie gar nicht gelesen haben.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verfahren gelingt insgesamt nicht. Warum auch, Kritik ist nicht Sinn und Zweck des Interviews. Es riecht nach reiner Gefälligkeit.  Lieber will sich Fantasyguide im zweiten Teil des mehrteiligen Spezials den Siegern 2009 widmen und beginnt ausgerechnet mit dem Gewinner in der Kategorie „Beste Internetseite“. Man darf auf die Eigenvorstellung echt gespannt sein. Bei aller Freude und allem Respekt wird dieser Schuss schon vom Prinzip her meilenweit am Tor vorbeigehen.

Advertisements

15 Gedanken zu „Knapp vorbei ist auch total daneben

  1. Nun, die Serie wird alle 2009er Preisträger würdigen. Geplant ist ein Act pro Monat. Uns schien es sinnvoll mit den Machern zu beginnen.
    Wir wollen gar nicht auf irgend wen schießen und wenn’s daneben geht, leben zum Glück noch alle.
    Das Interview sollte Hintergründe aufzeigen, ob es als Propaganda oder Wissen interpretiert wird, schreiben wir niemanden vor.

    Wenn Du kritische Nachfragen hast, stell sie doch, soweit ich es einschätze, sind alle Beteiligten offen dafür.

    Ich wünsche mir zum Beispiel nettere Preisverleiher.
    🙂

  2. Die Idee, die Organisatoren und die Preisträger zu würdigen, ist gut und richtig. In einem Jahr, in dem man selbst dazu gehört, sollte man das allerdings anderen überlassen.

  3. Das ist wohl eine ethische Frage, an der sich die Geister scheiden. Meine Meinung dazu dürfte klargeworden sein.

  4. Wer einen Preis verliehen bekommt, sollte nicht diejenigen loben, die dafür gesorgt haben, dass es den Preis gibt. Wenn man dann auch noch für sich selbst trommelt, ist das nicht gerade bescheiden.
    Dass ihr bei Fantasyguide wohl beschlossen habt, auf eine eigene Vorstellung als Preisträger zu verzichten, zeigt, dass ihr selbst darüber nachgedacht und eure frühere Position überdacht habt. Das finde ich gut.

  5. Es ist traurig, Lapismont. Etwas schlecht geredet ist schnell. Da wollen wir einfach den DPP etwas bekannter machen, weil wir unseren Gewinn zum Anlass nehmen … dann werden uns unlautere Motive unterstellt. Anscheind ist positive Berichterstattung (und ein wenig Eigenwerbung) unethisch.

    Vielleicht sollten wir einmal einen sehr kritischen Bericht über Blogs bringen. Das dürfte dann ethischer sein, schätze ich!

    • @HMP
      Die Diskussion im Forum der Bibliotheka Phantastika sollte dir gezeigt haben, dass auch andere die Idee des Spezials zum jetzigen Zeitpunkt kritisch sehen. Sicher gibt es Stimmen, die so eine Kritik für überzogen halten. Das ist ja auch völlig in Ordnung.
      Ein Blog lebt aber davon, dass jemand seine Meinung zum Ausdruck bringt. Und die wird meist ein unterschiedliches Echo hervorrufen.

  6. @Lapismont
    Es geht nicht darum, etwas zu unterstellen, sondern darum, wie schnell der Eindruck entstehen kann, es gäbe etwas zu unterstellen. Indem man solche Überlegungen mit einbezieht, kann man verhindern, überhaupt zur Zielscheibe zu werden.
    Ihr macht eine tolle Seite, bei der man merkt, dass da viel Arbeit drinsteckt und Engagement dahinter steht. Das sollte hier kein Angriff mit dem Flammenwerfer werden, um das Bild aus deinem ersten Kommentar aufzugreifen.

  7. Solange Du Deinen Blogbeitrag nicht geschrieben hattest, hatte niemand etwas unterstellt. Es kamen nur angenehme Rückmeldungen – glaube es oder glaube es nicht!

  8. Und du meinst, es hat sich jeder Leser zurückgemeldet? Bevor es jetzt persönlich wird, schlage ich vor, wir klären das auf anderem Wege.

  9. Und auch diese Diskussion entstand erst nach diesem Blogeintrag. Gut, Du hast Deine Meinung gesagt. Dein Recht.

    Ich überlege mir so langsam, bei uns den Vorschlag zu machen, die Serie einzustellen und alle, die wir schon angefragt haben, darüber zu informieren. Wir würden dann auf diesen Blog verweisen und das wir nicht wollen, dass man uns irgendetwas unterstellt.

  10. Ganz allgemein vorweg: Das den Organisatoren des DPP ihre Arbeit wenig gedankt wurde sehe ich nicht. Es gab Kritik in diesem Jahr (wie in jedem) aber auch Lob und Anerkennung. Ein Überwiegen der negativen Äusserungen kann ich beim besten Willen nicht ausmachen. So meine subjektive Wahrnehmung.

    Das Fantasyguide auch mit meiner Stimme den verdienten ersten Platz gemacht hat freut mich für sie, die Ankündigung eines Selbstinterviews hat mich jedoch auch ein wenig skeptisch werden lassen wobei ich die Idee alle Jahresgewinner + Preisorga zu interviewen super finde. Jedoch denke ich sollte zuerst das Interview als solches abgewartet werden. Zumindest werde ich es erst für mich bewerten wenn es veröffentlicht wurde. Wobei es mir neben allem Interesse an dem Interview jedoch eigentlich egal ist ob das Fantasyguideteam sich selbst interviewt (einen externen Fragesteller holt) oder nicht, wenn sie Lust darauf haben Bitte. Ihr Projekt, ihre Umsetzung. Ich wills gerne lesen.

    Von dem Interview mit den Machern des DPP habe ich nicht erwartet das HMP o.a. als Stellvertreter die Kritik von anderen an ihren Interviewpartner heranführen. Ich weiss nicht mal ob und wie kritisch Fantasyguide dem Preis gegenübersteht. Wer Kritik üben will soll dies doch bitte selber machen und nicht erwarten das Fantasyguide dies für einen übernimmt.

    @HMP: Einen Bericht, gerne auch kritisch, über Blogs würde ich sehr schätzen! 🙂

  11. @ Feenfeuer: Danke im Namen von FG und … es wird kein Interview und keine Selbstvorstellung von uns oder mit uns im Rahmen des Special geben. Ansonsten machen wir weiter wie geplant. Und die Kolumne … könnte kommen :-)!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s