Die Kapuzengrippe

Zu einem richtigen Magier gehört ein Umhang, am besten mit Kapuze. Diese kann er benutzen, um sein Gesicht zu verdecken oder es plötzlich zu enthüllen, indem er die Kapuze abstreift. Auch andere Gestalten in der Fantasy tragen gern einen Kapuzenumhang. Er gibt ihnen etwas Geheimnisvolles und hat manchmal magische Fähigkeiten, wie die grauen Mäntel der Elben, die Frodo und Sam in Mordor davor bewahren, entdeckt zu werden.

In Fantasy-Romanen tauchen die Kapuzenumhänge und -mäntel aber nicht so oft auf, wie man vermuten könnte, wenn man die Buchcover studiert. Dort grassiert eine regelrechte Kapuzengrippe. Bei Blanvalet sind allein in der Vorschau für Mai bis Oktober 2010 ein gutes Dutzend Kapuzencover zu finden. Da haben es Vogelschwärme und Frauengesichter schon schwer mitzuhalten (die im Bereich dominieren, der früher Mystery genannt wurde). Auch die Masken, Äxte und Schwerter kommen nur so gerade auf eine ähnliche Anzahl.

Verwunderlich, dass die Modemacher noch gar nicht so auf diesen Trend aufgesprungen sind. Man sollte doch meinen, dass der Lieblingsfillialist im Shopping Center der Wahl die passenden Umhänge und Mäntel anbieten würde, sind sie doch auf den Covern in vielen Farben vertreten (dunkle Töne bestimmen aber das Bild, um den geheimnisvollen Eindruck nicht zu schmälern). Aber es bleibt ja noch ein Hoffnung – die fünfte Jahreszeit der Karnevals- und Faschingsliebhaber hat gerade erst begonnen.

 

Knapp vorbei ist auch total daneben

Eines sei vorausgeschickt: die Macher des DPP verdienen allen Respekt für ihr Engagement, ihren Willen und ihre Verdienste um die Phantastik.

Etwas weiteres sei hinterhergeschickt: HMP und den Machern von Fantasyguide gilt Respekt und Dank für ihren Einsatz.

Doch jetzt kommt das große Aber: Auch wer Gutes bewirken möchte, kann zu falschen Mitteln greifen. Oder um ein Bild aus dem Sport zu bemühen: Knapp vorbei ist auch total daneben.

Was ist passiert? Fantasyguide hat beim diesjährigen Deutschen Phantastik Preis (DPP) den Sieg als beste Internetseite davongetragen. Doch den Organisatoren dieses Preises wurde wenig gedankt, eher gab es Kritik am Ablauf der Abstimmung, aber auch am Verhalten der Fans. Nun hat HMP für Fantasyguide ein Interview mit Oliver Naujoks, einem der Macher des DDP, geführt. Zwar schickt er voran, dass Fantasyguide in diesem Jahr ausgezeichnet wurde, doch die Konsequenz daraus wird nicht gezogen – ein Preisträger darf niemals den Preisverleiher befragen. Das ist doch, als würde Herta Müller das Komitee in Stockholm zu den Regularien und der Auswahl der Nobelpreise befragen. Oder – wenn man einen Publikumspreis nimmt – als würde der Träger des Kelag-Publikumspreises plötzlich ein Gespräch mit den Organisatoren veröffentlichen.

Absolut undenkbar und so liest es sich dann auch. Nachdem Naujoks die Arbeit der Organisatoren vorstellt, darf er schnell alle Manipulationsvorwürfe gegen die Macher entkräften, leider wird aber nicht darauf eingegangen, inwieweit verhindert wird oder werden soll, dass Fans beim DPP mehrfach abstimmen. Naujoks zeigt sich mit dem Vorschlagsmodus 2009 zufrieden und darf sagen, dass seiner Meinung nach bei einem Jurypreis immer die gleichen Jury-Favoriten gewinnen. Natürlich gewinnen dann die Jury-Favoriten und nicht unbedingt die des Publikums, doch darf man von einer Jury mindestens erwarten, dass sie alle zur Endabstimmung vorliegenden Bücher gelesen hat. Fans können bei einem Publikumspreis auch über Titel abstimmen, die sie gar nicht gelesen haben.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verfahren gelingt insgesamt nicht. Warum auch, Kritik ist nicht Sinn und Zweck des Interviews. Es riecht nach reiner Gefälligkeit.  Lieber will sich Fantasyguide im zweiten Teil des mehrteiligen Spezials den Siegern 2009 widmen und beginnt ausgerechnet mit dem Gewinner in der Kategorie „Beste Internetseite“. Man darf auf die Eigenvorstellung echt gespannt sein. Bei aller Freude und allem Respekt wird dieser Schuss schon vom Prinzip her meilenweit am Tor vorbeigehen.

Piper 2010 – etwas heitzlos

Das Fantasy-Frühjahr 2010 von Piper interpretiert wie üblich den Fantasy-Begriff sehr weit. Das heißt, Mystery wie „Mr. Monster“ von Dan Wells gehört ebenso dazu wie Science-Fiction von Marliese Arold. Bei den wirklichen Fantasy-Romanen fällt auf, dass vor allem Fortsetzungen im Programm stehen. Michael Peinkofer darf weiter zaubern, Tobias Meißner seine Dämonen auf die Welt loslassen und Brandon Sanderson für Robert Jordan am Rad der Zeit drehen.

Piper holt aber einen neuen russischen Autor ins Programm. Alexey Pehov stammt aus Moskau und soll neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste Phantastik-Autor Russlands sein. „Schattenwanderer“ lautet der Titel seines ersten Romans, der auf Deutsch erscheint.

Ach ja, nach der Vampir-Welle soll die Zombie-Welle die Büchertische überspülen. Thomas Plischke und „Die Zombies“ treten bei Piper in dieser Kategorie an. Ob sie den gleichen Sexappeal erreichen wie die Blutsauger?

So bleibt am Ende in Erinnerung, dass das Frühjahr mit Piper ein wenig heitzlos wird – denn einen Roman von Markus Heitz sucht man vergeblich im Programm, was zu seinen Plänen passt.

 

Stürmische Zeiten

Es sind wahrhaft stürmische Zeiten in der Fantasy. Zumindest in der Heyne-Fantasy stürmt es sehr beständig, manchmal auch in anderen Verlagen. Der gute Tom Lloyd bekam für seine Twilight-Reign-Reihe das Sturm-Prädikat seines deutschen Verlages verpasst. Bei „Sturmkämpfer“ gab der Originaltitel „The Stormcaller“ ja noch eine Vorlage, doch dann folgten „Sturmbote“ und „Sturmauge“.

Auch in anderen Publikationen stürmt es gewaltig. Christoph Hardebusch hat ganze Sturmwelten entfesselt, Claudia Kern durfte bei Blanvalet auch einen „Sturm“ auf die Fantasy loslassen, ehe diese grausam „Rache“ nahm. Jetzt hat Nicole Schuhmacher, langjährige Testleserin von Markus Heitz, ihren ersten Roman vorgelegt. Heyne hat ihn unter dem Namen „Sturmträume“ herausgebracht.  Ob er die Bestsellerlisten stürmen wird?

Hier noch ein Liste möglicher Sturmtitel:

  • Sturmwächter
  • Sturmwarner
  • Sturmfeuer
  • Sturmrufer
  • Sturmhexe
  • Sturmkind
  • Sturmbrut
  • Sturmgräber
  • Sturmherrscher
  • Sturmzauber
  • Sturmgrab
  • Sturmklingen

Leserpreis für mehr Lesespaß

Und noch ein Publikumspreis – jeder, der dieses Jahr schon einmal ein Buch in der Hand gehabt hat oder jemanden kennt, der eines im Regal stehen hat, darf jetzt über „Die besten Bücher 2009“ abstimmen. Nun gut, Internetzugang wird noch vorausgesetzt, aber ansonsten sind die Zugangshürden so gering wie möglich gehalten (nicht einmal eine Mailadresse muss bislang genannt werden). Die Stiftung Lesen und Lovelybooks haben diesen neuen Leserpreis zusammen ausgerufen.

Der Preis wird in den Kategorien Spannung, Romantik, historische Romane, Fantasy/Science Fiction (könnte Phantastik meinen) und allgemeine Literatur (alles, was nicht in die anderen Kategorien passt) verliehen. Hinzu kommen ein Preis für das schönste Cover, den besten Titel und den besten Klappentext. Letztere Kategorie soll nach Angaben von Lovelybooks gute Klappentexte ehren und zum Vorbild machen, da manchmal das Gefühl entstehe, die Texte seien von Menschen geschrieben, die das Buch gar nicht gelesen hätten. Nominiert ist etwa „Die Saat“.

Die Genres sind laut Stiftung Lesen so grob gehalten, um die Teilnehmer nicht dadurch  zu lähmen, dass sie erst die passende Kategorie finden müssen. Allerdings erwartet die Ausrichter noch ein großes Sortierverfahren nach Abschluss der Nominierungsrunde. Das wird dann die letzte Chance, um zu verhindern, dass Stephenie Meyer in den Kategorien Romantik und Fantasy gewinnt.

Nominiert werden können Bücher, die 2009 erschienen sind. Pat Rothfuss hat es trotzdem irgendwie auf die Liste geschafft. Aber der kennt ja auch den Namen des Windes.  Bücher, die im November/Dezember erscheinen, erhalten dann 2010 eine Chance. Die häufigsten Nennungen schaffen es in die Abstimmungsphase, die am 16. November beginnt und einen Monat geht. Bei Stimmengleichheit soll es sowohl bei Nominierung als auch bei den Siegern noch eine Stichwahl geben.

Die spannende Frage ist, braucht es einen solchen Preis? Warum wurde er überhaupt ins Leben gerufen? „Motivation durch Partizipation“ ist das Motto des Preises. Wer gerne liest, soll sich mit anderen darüber austauschen können und sein eigenes Leseverhalten reflektieren. Natürlich sollen damit auch Leser Lesern Bücher empfehlen und Lovelybooks, die den Preis so liebenswert mit einer glücklichen Familie präsentieren, soll sicherlich ein wenig bekannter werden.

P.S. Markus Heitz hat es in der Kategorie Fantasy bislang nur mit Drachenkaiser zur Erwähnung gebracht. Die Albae und ihre Legenden können es aber noch immer auf die Shortlist schaffen.

Lara Morgan: Die Herrin der Drachen

Lara Morgan: Der Herr der Drachen

Australien wird immer mehr zu einem Fanatsy-Kontinent. Nach Trudi Canavan, Jennifer Fallon und anderen schafft Lara Morgan den Sprung nach Deutschland. „Der Herr der Drachen“ ist der Titel ihres ersten Romans, bei dem es sich um den Auftakt zu einer Trilogie handelt. Deren Originaltitel lautet „The Twins of Saranthium“. Wer die Zwillinge sind,  erschließt sich dem Leser im ersten Band.

Lara Morgan erzählt die Geschichte von einem Gott mit Namen Azoth, der aus der Verbannung zurückkehrt. Bei Azoth handelt es sich um den Herrn der Drachen, der über die Drachen gebietet und mit ihrer Hilfe über die Menschen herrschen will. Doch diese haben ihn bereits einmal besiegt und sich auf eine mögliche Rückkehr vorbereitet. Die beiden Hauptpersonen Shaan, die sich als Helferin im Drachenturm und als Schankmädchen duchschlägt, und Tallis, ein junger Krieger, der in den Clanlanden lebt, geraten in den Konflikt zwischen Menschen und Drachen.

Vermarktet wird der von Marianne Schmidt übersetzte Roman als All-Age-Fantasy, bei Brettspielen würde man schreiben: von 12-99 Jahre. 512 Seiten lang ist die deutsche Ausgabe, die in gebundener Form bei Penhaligon erschienen ist. Das Buch kostet 19,95 Euro.

Edit: Eine ausführliche Rezension ist inzwischen online.